„Die Krise ist der Normalfall“

„Die Krise ist der Normalfall“

Thomas de Maizière

Krisensituation häufen sich: Finanzkrise, Eurokrise, Flüchtlingskrise, Corona-Krise, Flutkatastrophe, und die nächste Krise wartet schon. Zur besseren Krisenbewältigung werden von der Politik die Einrichtung permanenter Krisenstäbe gefordert, um Entscheidungen auf einer gesicherten Grundlage treffen zu können. Aber reicht die Einrichtung solcher Krisenstäbe bereits aus, um mit gebündeltem Expertenwissen der Krisen Herr zu werden? Kann ein Krisenstab alle Auswirkungen einer gefährdenden Situation überblicken und die richtigen Handlungsempfehlungen geben?

Am Beispiel der Corona Pandemie lässt sich erkennen, wie weitgehend eine Krisensituation eskalieren kann und praktisch alle Lebens-und Wirtschaftsbereiche global in Mitleidenschaft gezogen werden. Hierzu nur einige Schlaglichter: Ausgehend von China verbreitete sich das Virus innerhalb kurzer Zeit weltweit. In Deutschland fehlten Masken, stattdessen gab es eine überflüssige Diskussion über deren Nutzen. Danach fehlte der Impfstoff, der inzwischen in solchen Mengen vorhanden ist, dass er teilweise vernichtet oder verschenkt wird. Mit mehreren Lockdowns wurde die Wirtschaft lahmgelegt, Kontaktverbote oder –beschränkungen beeinträchtigten familiäres und gesellschaftliches Leben. Gesundheitsämter und Krankenhäuser, insbesondere Intensivstationen, gerieten an ihre Kapazitätsgrenzen. Kitas und Schulen wurden geschlossen. Homeoffice statt Büro wurden zur Pflicht, Videokonferenzen ersetzten Dienstreisen usw. Die aktuelle Diskussion über Inzidenzwerte oder die Einbeziehung weiterer Daten verrät nicht zuletzt auch eine vorhandene Hilflosigkeit. Allein die hier genannten Beispiele zeigen auf, dass ein einzelner Krisenstab nicht in der Lage sein kann, auf alle möglichen Auswirkungen dieser Krise adäquate Gegenmaßnahmen zu empfehlen.

Für die angeführten Problemfelder gibt es jedoch jetzt schon riesige Datenmengen, die in der richtigen Bereitstellung einen wesentlich tieferen Einblick in das bisherige und aktuelle Geschehen vermitteln. Allerdings müssen diese Daten gesammelt, aufbereitet, strukturiert und auf intelligente Art und Weise verarbeitet und zur Verfügung gestellt werden. So können Daten zu immer genaueren Modellierungen führen und in der Auswertung Handlungsempfehlungen auf einer gesicherten Grundlage ermöglichen.

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